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110 Jahre: 8. März Internationalen Frauentag

Für die Rechte der Frauen – weltweit und in Bremen

Frauensenatorin Claudia Bernhard erklärt zum 8. März:
Seit 110 Jahren gibt es den Internationalen Frauentag – auch in Bremen, wo am ersten Frauentag 1911 mehrere hundert Frauen sich im Casino Auf den Häfen versammelten und anschließend für Frauenrechte demonstrierten. Der Internationale Frauentag erinnert uns daran, was möglich ist, und was nach wie vor uneingelöst ist. 1911 hatten Frauen kein Wahlrecht, Schwangerschaftsabbruch war verboten, ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit war die Norm, bei einer von 200 Geburten starb die Mutter, in den Parlamenten saß keine einzige Frau, das Frauenstudium war die absolute Ausnahme. Demgegenüber ist die Welt heute eine andere. Aber Patriarchat und Frauenunterdrückung sind geblieben, und die Themen sind heute oft die gleichen, wie damals.

Nach wie vor verdienen Frauen erheblich weniger Geld als Männer: Etwa 20 Prozent weniger pro Stunde, etwa die Hälfte weniger im Verlauf ihres Erwerbslebens. Sie erhalten weniger Rente und leisten nach wie vor einen Großteil der unbezahlten Care-Arbeit – Kindererziehung, Pflege, Haushalt. Dies hat sich unter der Pandemie noch einmal verschärft. Frauen im Homeoffice machen 1,7 Stunden mehr unbezahlte Care-Arbeit, Männer kommen mit einer zusätzlichen halben Stunde davon. Die Digitalisierung und die Veränderung der Dienstleistungsberufe werden den Gender Pay Gap verschärfen, wenn nicht gegengesteuert wird.

Frauen und Mädchen sind weiterhin von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen. Jeden dritten Tag stirbt in Deutschland eine Frau an häuslicher Gewalt. Nachdem die Zahlen zunächst unklar waren, wissen wir jetzt: Häusliche Gewalt hat in der Pandemie zugenommen.
Mit einem Frauenanteil im Parlament von 31 Prozent nimmt Deutschland international einen eher bescheidenen Platz ein. Dass Frauen derart unterrepräsentiert sind, bedeutet nichts anderes, als dass sie kein gleiches passives Wahlrecht haben, wie Männer.

Es spricht viel dafür, dass wir eine neue Phase des Kampfes um gesetzliche, soziale und berufliche Gleichstellung vor uns haben. Es geht um neue Instrumente: Entgeltgleichheitsgesetze, Paritätsgesetze im Wahlrecht, die Umsetzung der Istanbul-Konvention gegen Gewalt an Frauen, den Landesaktionsplan. Wir müssen den Digital Gender Gap überwinden und Erwerbsarbeit endlich voll vereinbar mit Familie, Kindern und dem restlichen Leben machen. Wir müssen die unterschiedlichen Erfahrungen und Lebenshintergründe von Frauen einbeziehen und ihre Lebensentscheidungen respektieren – ob mit oder ohne Migrationshintergrund, mit oder ohne Kinder, mit oder ohne gesundheitliche Beeinträchtigung, mit oder ohne Trans-Geschichte, und egal ob der Berufswunsch Kindergärtnerin oder Astronautin war.

Denn das Problem heißt Patriarchat, und das Gegenmittel heißt Feminismus. Darin liegt die Verbindung, und darin liegt der Auftrag.

In diesem Sinne: Feiern wir. Und streiten wir weiter!