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Wenn die Stadt zur Familie wird - Preise für vorbildliche Projekte zum Umgang mit Demenz

Senatorin Prof. Dr. Eva Quante-Brandt gemeinsam mit Senatorin Stahmann und den Preisträgerinnen und Preisträgern, JPG, 215.7 KB
Senatorin Prof. Dr. Eva Quante-Brandt gemeinsam mit Senatorin Stahmann und den Preisträgerinnen und Preisträgern

Im Rathaus wurden am Dienstag (20. September 2016) die Preise des Wettbewerbs "Bremen unvergesslich – wenn die Stadt zur Familie wird" vergeben. Ausgeschrieben war der Preis in den Kategorien "Institution", "Initiative" und "Unternehmen". Insgesamt wurden vier Preise und ein Sonderpreis verliehen. Senatorin Quante-Brandt betonte: "Demenz ist ein Thema, mit dem unsere Gesellschaft noch nicht gelernt hat, umzugehen. Der Wettbewerb zeigt, dass es schon viele Initiativen, Institutionen und Unternehmen gibt, die das Thema offensiv angehen und sich Gedanken machen, wie man an Demenz Erkrankte ins Leben einbinden kann. Die Preisträger haben tolle Ideen entwickelt, das hat uns wirklich froh gemacht. Dies zu sehen, macht Mut."
"Wir wollen auf diese Weise die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass das Thema Demenz viele Bereiche des Lebens betrifft, und dass alle gefragt sind, einen Umgang damit zu finden", sagte Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport. Deswegen gebe es auch keinen einzelnen Hauptpreis.
Zwei Preisträger sind in der Kategorie "Institutionen" ausgewählt worden: Zum einen das St. Joseph-Stift, das speziell geschulte "Demenzalltagsbegleiter" für isolierte Patienten einsetzt und damit ein innovatives Versorgungskonzept für die Zeit des Krankenhausaufenthaltes geschaffen hat. Zum anderen die Mobile Reha Bremen GmbH für ihren Ansatz, Versorgungslücken für Menschen mit Demenz zu schließen, die an ihre häusliche Umgebung gebunden sind. Das mobile Reha-Team kommt ins gewohnte Wohnumfeld, um dort Mobilität und Selbsthilfefähigkeit zu stärken.
Als "Initiative" wurde Verein Solidar e.V. für die Kampagne "Demenz und wir" ausgezeichnet. Diese führt das Thema Demenz mit künstlerischen Mitteln aus der Nischendebatte in eine gesellschaftliche Auseinandersetzung.
Der Preis in der Kategorie "Unternehmen" geht an den Magistrat Bremerhaven, der Schulungen und Veranstaltungen für Beschäftigte mit demenzkranken Angehörigen zur Unterstützung und Steigerung der Familienfreundlichkeit anbietet.
Der Sonderpreis der Sparkasse geht an die Bremer Klinikclowns e.V.: Clowns besuchen Demenzkranke im Haus im Park und finden spielerischer Umgang mit ihnen. In seiner Laudation lobte Dr. Dirk Rollenhagen von der Sparkasse Bremen: "Die Klinikclowns haben ein großartiges Ziel bei ihren Besuchen in der Pflegeeinrichtung "Haus im Park": Sie möchten einfach Freude verbreiten! Vor allem macht die Arbeit der Clowns deutlich, dass Demenz nicht die Abwesenheit von Humor bedeutet."
"Wir können mit einer steigenden Lebenserwartung rechnen, das ist sehr erfreulich", sagte Senatorin Quante-Brandt. "Aber das bedeutet auch: Immer mehr Menschen erkranken an Demenz, eine Krankheit, die vor allem Hochbetagte trifft." Diese Menschen bräuchten "ein Umfeld, das sie auffängt und ihnen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht."
Senatorin Stahmann ergänzte: "Die Städte und Gemeinden müssen sich diesen Herausforderungen stellen. Sie müssen daran arbeiten, dass Menschen mit Demenz nicht nur in Einrichtungen gut versorgt sind." Einzelhandel, Nahverkehrsbetriebe, Banken und andere müssten lernen, "mit demenziell Erkrankten angemessen umzugehen". Auch der Begriff der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ändere sich damit: "Das ist heute nicht mehr nur die Betreuung der Kinder, sondern oft auch die Pflege der Eltern."
Die Preise wurden von der Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport und der Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz ausgerufen. Sie sind mit 6.000 Euro dotiert. Sponsoren sind die AOK sowie die Sparkasse Bremen.
Die Preisverleihung fand im Rahmen der Bremer Aktionswoche "Demenzfreundliches Land Bremen" statt, die Veranstaltungen noch bis zum 23.September 2016 bietet. Krankenhäuser, Stadtteilinitiativen und Unternehmen in ganz Bremen widmen sich in dieser Zeit dem Thema.