Welche Rabenvögel gibt es in Bremen?
Sind Krähen nützlich oder machen sie Probleme?
Wie intelligent und sozial sind Krähen?
Soll ich alte Krähennester entfernen?
Haben Krähen natürliche Feinde?
Rotten Krähen die Singvögel aus?
Sind Krähen aggressiv gegenüber Menschen?
Sollten Saatkrähen und ihre Kolonien vergrämt / verscheucht werden?
Gibt es plötzlich viel mehr Krähen?
In Bremen können das ganze Jahr über regelmäßig sieben Rabenvogelarten beobachtet werden.
Spannend ist, dass sich ihr Verhalten im Jahresverlauf oft bedeutend verändert.
Die Rabenkrähe begegnet vielen Menschen täglich und wird oft mit dem "Raben" verwechselt. Sie ist in Bremen fast überall zu Hause, wo sie etwas zu fressen findet sowie einen hohen Baum, in dem sie ihr Nest bauen kann. Man wird die Rabenkrähe nicht in Kolonien brütend finden. Ein Rabenkrähenpaar hat während der Brutzeit ein Revier, das es gegen andere Krähenpaare, Raben- und Greifvögel verteidigt.
Die Rabenkrähe ist komplett schwarz gefärbt, manchmal mit einem leichten schillernden Glanz im Gefieder. Die Schnabelwurzel ist befiedert.
Die Rabenkrähe ernährt sich von Samen, Nüssen, Beeren, Insekten, kleinen Wirbeltieren (z. B. Mäusen und Jungvögeln), Aas und menschlichen Abfällen. Sie verstecken überschüssige Nahrung für schlechte Zeiten im Boden und unter Grasbüscheln.
Beobachtungstipp: Frisch ausgeflogene Jungvögel sind sehr neugierig und spielen mit allem, was ihnen unter den Schnabel kommt.
Die Saatkrähe ist ähnlich groß wie die Rabenkrähe, hat aber einen spitzeren Schnabel und eine graue, nackte Schnabelwurzel. Ihr schwarzes Gefieder glänzt in der Sonne in einem violetten Schimmer. Das Gefieder an den Beinen hängt buschig herunter. Sie ist gerne in gemischten Schwärmen mit Dohlen und Rabenkrähen unterwegs. Sie baut ihr Nest in auffälligen Kolonien in größeren Baumgruppen. Die Saatkrähe ernährt sich überwiegend von Insekten, Sämereien, Feldfrüchten, Regenwürmern und menschlichen Abfällen.
Beobachtungstipp: Auf frisch bearbeiteten Feldern finden sich große Saatkrähenschwärme zur Nahrungssuche ein.
Die Dohle ist kleiner als eine Rabenkrähe und hat einen matt-dunkelgrauen Körper, einen hellgrauen Kopf und Nacken mit tiefschwarzer Kappe. Die Augen sind hell. Ihre Stimme ist nicht so krächzend und hört sich wie "kjack kjack" an.
Dohlen sind anders als die anderen Rabenvögel Höhlenbrüter. Sie nutzen gerne alte Schornsteine und große Mauernischen zum Brüten. Durch Gebäudesanierungen fehlen oft Nistplätze für Dohlen und ihre Bestände sind deshalb rückläufig. Mit Nistkästen kann man ihnen helfen.
Beobachtungstipp: Im Gedenkort "Bunker Valentin" in Bremen-Farge gibt es eine Dohlenkolonie.
Die Elster hat schwarz-weißes Gefieder und einen langen Schwanz. Sie ist in vielen Lebensräumen häufig und brütet auch in menschlicher Nähe. Ihr Nest hat einen seitlichen Eingang und ist mit Zweigen überdacht. Dies schützt die jungen Elstern vor Sonne und Feinden.
Beobachtungstipp: Die hübsche Elster kommt auch gern ans Futterhaus. Dann kann man den bunten Glanz ihrer Schwanzfedern aus der Nähe sehen.
Der Kolkrabe ist die größte heimische Rabenvogelart. Von der Rabenkrähe lässt er sich durch seine Größe, den imposanteren Schnabel und einen keilförmigen Schwanz unterscheiden. Dieses Merkmal ist im Flug zu sehen.
Der Kolkrabe meidet die menschliche Nähe und brütet im Wald oder auf Felsvorsprüngen. Durch massive Bejagung wurde er früher fast ausgerottet und hat jetzt wieder stabile Bestandszahlen erreicht. Kolkraben haben in vielen Mythen und Sagen eine wichtige Bedeutung.
Beobachtungstipp: Kommt Ihnen ein tiefes "kroak" während eines Waldspaziergangs bekannt vor? Herzlichen Glückwunsch, Sie haben einen Kolkraben gehört!
Die Nebelkrähe ist, wie auch die Rabenkrähe, eine Unterform der Aaskrähe. Weil Nebel- und Rabenkrähen so eng miteinander verwandt sind, können sie gemeinsam Nachwuchs zeugen. In Bremen lassen sich vereinzelt Hybriden ("Mischlinge") aus Raben- und Nebelkrähe beobachten. Die Nebelkrähe hat ihr Verbreitungsgebiet aber eher in der Osthälfte Deutschlands. Dort findet man die Rabenkrähe hingegen nicht.
Beobachtungstipp: In den großen Krähenschwärmen im Winter ist auch mal eine Nebelkrähe dabei.
Der Eichelhäher hat ein rosa-bräunliches Gefieder mit einer leuchtend blau-schwarz gestreiften Feder am Flügel und einer schwarz-weißen Haube, die er bei Aufregung aufstellt. Im Flug fällt sein kontrastreicher schwarzer Schwanz mit seinem weißen Bürzel auf. Der Eichelhäher hat eine wichtige Funktion im Wald: Er versteckt in größerer Umgebung gerne Eicheln als Wintervorrat, vergisst jedoch auch einige dieser Vorräte. So können die Eicheln an neuen Orten keimen. Damit trägt der Eichelhäher maßgeblich zur Ausbreitung der Eichen bei.
Beobachtungstipp: Bei einem Waldspaziergang werden Sie den anderen Tieren schon früh von einem "rätschenden" Eichelhäher angekündigt.
Auf diese Frage lässt sich keine ganz einfache Antwort finden. Vielleicht trifft die Antwort "Beides" hier am besten zu.
In der Natur gibt es viele Lebenskreisläufe, in denen verschiedene Tiere, Pflanzen und Pilze eng miteinander verbunden sind und füreinander wichtige Funktionen erfüllen. Manche Funktionen kann sogar nur eine bestimmte Tier-, Pflanzen- oder Pilzart erfüllen und viele dieser Verbindungen sind uns Menschen noch nicht genau bekannt. Da wir aber davon ausgehen müssen, dass jedes Tier in wichtigen Verbindungen mit anderen Lebewesen steht, sollten wir nicht in "nützlich" und "schädlich" unterteilen.
In der Natur haben die Rabenvögel eine Funktion als "Aufräumer": Sie sind Allesfresser, fressen also pflanzliche und tierische Nahrung. Da sie auch Aas, also tote Tiere, fressen, sorgen sie damit für Hygiene in der Landschaft. Außerdem fressen sie Mäuse und Insektenlarven, die in der Landwirtschaft Schäden verursachen. Die Saat auf den Feldern sowie Früchte machen aber auch einen Teil ihrer Nahrung aus. Ob nützlich oder schädlich könnte auch hier also nicht pauschal bestimmt werden.
Saatkrähen brüten in Kolonien (Kolkrabe und Rabenkrähe nur einzeln) und können dort sehr laut sein und mit ihrem Kot Gehwege und Autos verschmutzen. Dass der Kot konsequent unter dem Nest landet, sorgt dafür, dass das Nest sauber bleibt, kann aber zur Belastung für Anwohner und Anwohnerinnen werden. Eine Infektionsgefahr geht von der Verschmutzung mit dem Kot nicht aus. Das Leben in einer Kolonie bietet den Saatkrähen Schutz vor Feinden und das laute, kratzige Krächzen ist ein "freundlicher Schnack auf Krähenart" (auch, wenn es sich für uns oft anders anhört). Baulicher Lärmschutz oder Carports können hier die unschönen Auswirkungen einer Saatkrähenkolonie abmildern. Die Lärmbelästigung durch eine Saatkrähenkolonie verringert sich im Frühsommer deutlich, da die Jungvögel dann das Nest verlassen. Das Aufstellen von Mülleimern mit Deckel oder Gitter, die Nutzung der Gelben Tonne (anstatt der Säcke) sowie die Vermeidung von herumliegenden Essensresten und Müll hilft deutlich dabei, die Ansiedlung von Saatkrähen zu vermeiden.
Rabenvögel gehören gemeinsam mit den Papageien zu den intelligentesten und sozialsten Vögeln. Ihr Gehirn ist sogar ähnlich hoch wie das von Primaten entwickelt.
Hier ist eine kleine Auswahl der erstaunlichen Fähigkeiten von Rabenvögeln:
Rabenvögel…
Saatkrähen nutzen ihre alten Nester im folgenden Jahr erneut zum Brüten. Dohlen nutzen ihre Nester ebenfalls mehrfach.
Die anderen Rabenvögel bauen jedes Jahr ein neues Nest. Aber ihre Nester dienen anderen Tieren als Nistplatz: Waldohreulen und Baumfalken sind auf alte Rabenvogelnester als Brutplatz angewiesen.
Da sämtliche Krähenarten besonders geschützte Arten im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes sind, dürfen ihre Nester das ganze Jahr über nicht entfernt, beschädigt oder zerstört werden.
Rabenvögel haben natürliche Feinde, wenn auch nicht viele. Aufgrund ihrer Größe und oft kräftigen Statur, trauen sich oft nur spezialisierte Vogeljäger, wie der Habicht, an Krähen heran. Der Wanderfalke und der Uhu sind ebenfalls in der Lage, Krähen zu erbeuten. Jungvögeln im Nest können auch Marder gefährlich werden.
Krankheiten und Verletzungen sowie sehr harte Winter können für Krähen ebenfalls zur Gefahr werden.
Richtig ist, dass Rabenvögel auch Eier oder Küken von Singvögeln fressen. Allerdings machen Singvögel nur einen sehr kleinen Anteil an der gesamten Nahrung aus. Dazu kommt, dass viele Singvögel mehrmals im Jahr brüten und eine größere Zahl Eier legen. Es ist also gewissermaßen "eingepreist", dass auch Eier oder Jungvögel von anderen Tieren gefressen werden.
Die Gefahren für Singvögel sind vor allem Lebensraumzerstörung, Insektenmangel, Gifte in der Landwirtschaft, der Tod im Straßenverkehr und an Fensterscheiben sowie Folgen des Klimawandels.
Kleiner Funfact nebenbei: Krähen gehören selbst zu den Singvögeln, auch wenn man das an ihrer Stimme nicht hört.
Krähen und andere Rabenvögel sind normalerweise nicht aggressiv gegenüber Menschen und halten Abstand.
Es gibt Einzelfälle, in denen Menschen von Rabenkrähen angeflogen wurden, noch seltener sind Fälle, in denen es hierbei zu Körperkontakt zwischen Krähe und Mensch gekommen ist. Der Grund für dieses Verhalten sind meistens frisch ausgeflogene Jungvögel, die auf dem Boden gelandet sind und denen der Mensch (absichtlich oder unabsichtlich) zu nahe gekommen ist. Die Krähe möchte also nur ihren Nachwuchs verteidigen. Nach kurzer Zeit klettern und flattern die Jungvögel aber ins Gebüsch oder auf Bäume, da sie dort besser vor Feinden geschützt sind. Wenn der Mensch sich außerdem zügig abwendet, lässt auch das Verteidigungsverhalten des Vogels nach.
Wenn ein Jungvogel von seinen Eltern so deutlich beschützt wird, braucht er in der Regel auch keine menschliche Hilfe. Hier ist ein Eingreifen nicht nötig.
Wenn eine Krähe durch Menschen aufgezogen wurde und dadurch die Scheu vor dem Menschen verloren hat, kann sich ein ähnliches Verhalten zeigen. Die Krähe fliegt dann Menschen an, um bei diesen nach Nahrung zu betteln oder (wie sie es gewohnt war) um auf der Schulter herumgetragen zu werden. Dies ist selten, zeigt aber, dass die Aufzucht von Jungvögeln Fachleuten überlassen werden sollte.
Saatkrähen sind intelligente und anpassungsfähige Tiere, die sehr schnell lernen. Wenn wir sie mit Uhu-Attrappen, Flatterbändern und den klassischen Vogelscheuchen loswerden möchten, lernen die Krähen sehr schnell, dass von diesen Dingen keine Gefahr ausgeht. Es müsste also täglich ein kreativer und hoher Aufwand betrieben werden, was nicht realistisch wäre. Erfolgreiches Vergrämen durch Entfernung von Nestern, was jedoch gemäß dem Bundesnaturschutzgesetz verboten ist, oder Abschneiden der Äste (ggf. ebenfalls verboten], führt allenfalls dazu, dass die Krähen auf einen anderen Ort ausweichen. Das Problem wird also nur verlagert und es ist davon auszugehen, dass in kurzer Zeit die Krähen zurückkehren oder sich neue Krähen ansiedeln. Eine Vergrämung durch Knall- oder Ultraschallgeräte wirkt sich zudem negativ auf andere Tiere aus und ist daher nicht zu empfehlen.
Vergrämungs- und Verscheuchungsmaßnahmen können je nach Ausgestaltung aus Tier- und Naturschutzgründen unzulässig sein. Außerdem haben sie bisher nirgendwo zu einem nachhaltigen Erfolg geführt (siehe auch: Umgang mit Saatkrähen, Stadt Achim).
Der Bestand der Saatkrähen hat sich in den letzten Jahren erhöht. Auch in Bremen haben sich neue Saatkrähenkolonien gebildet und an einigen Orten in der Stadt sind mehr Rabenvögel zu sehen. Das hat folgende Gründe:
Auf dem Land finden die Krähen einen immer schlechteren Lebensraum vor. Dies liegt an der intensiven Landwirtschaft, der Rodung von Bäumen und Hecken und der Bejagung (nicht alle Rabenvogelarten dürfen bejagt werden). In der Stadt ist oftmals ein gutes - wenn auch nicht immer gesundes - Nahrungsangebot durch Müll, Essensreste, naturnahe Gärten und Parks und Kompostanlagen vorhanden. Ebenso gibt es in Bremen viele ältere Baumgruppen, die Nistmöglichkeiten bieten. Die Gefahren durch natürliche Feinde und Jagd sind in der Stadt deutlich geringer.
Auch in der Stadt wird der Krähenbestand nicht ewig anwachsen, denn auch hier sind die Brutplätze und das Nahrungsangebot begrenzt.
Die Jagd auf Rabenkrähen mindert zwar kurzfristig deren Bestandsgröße, aber die Verluste werden durch zuwandernde Krähen und einen höheren Bruterfolg schnell wieder ausgeglichen.
Im Herbst und Winter sind häufig große Schwärme mit Krähen, Elstern und Dohlen zu sehen. Diese deuten aber nicht auf eine plötzliche Massenvermehrung hin, sondern sind ganz normaler Ausdruck des Sozialverhaltens außerhalb der Brutzeit. Gerade in schneereichen Wintern ist das Nahrungsangebot oft schlecht, sodass Rabenvögel sich in Schwärmen zusammenfinden und in diesen über Nahrungsvorkommen austauschen. Außerdem schlafen sie an gemeinsamen Schlafplätzen und schützen sich hier gegenseitig vor Feinden. Diese gemeinsamen Schlafplätze haben noch eine wichtige Funktion: Hier lernen sich die im letzten Sommer geborenen Krähen kennen und finden einen Partner für die nächste Brutsaison. Diese Schlafplätze und Schwärme sind also Partnerbörsen für die Rabenvogel-Singles.