Die Darstellung von zum Beispiel Kühen auf saftig grünen Wiesen oder Hühnern, die scheinbar frei im Gras scharren, ist ein häufig genutztes Motiv auf Lebensmittelverpackungen. Diese Bilder vermitteln den Eindruck von artgerechter Tierhaltung, Natürlichkeit und ländlicher Idylle. Für viele Verbraucher entsteht so die Vorstellung, dass die Tiere tatsächlich unter solchen Bedingungen leben. In der Realität entspricht dies in der Regel leider nicht den tatsächlichen Haltungsbedingungen.
Ein Großteil der in Supermärkten angebotenen tierischen Produkte stammt aus intensiver Landwirtschaft. Tiere verbringen häufig einen Großteil ihres Lebens in Ställen, werden angebunden, in sogenannten Kastenständen gehalten, viel zu früh von der Mutter getrennt oder über viele Tausend Kilometer transportiert. Die idyllischen Bilder auf den Verpackungen sind daher in vielen Fällen als Marketingstrategie zu werten und entsprechen nicht den realen Gegebenheiten.
Diese Form der visuellen Produktdarstellung ist problematisch, weil sie bewusste Kaufentscheidungen im Sinne des Tierschutzes erschwert. Viele Menschen sind bereit, mehr Geld für Produkte aus vermeintlich besserer Tierhaltung zu bezahlen – verlassen sich dabei aber auf Verpackungsbilder statt auf überprüfbare Kennzeichnungen. Dadurch wird nicht nur der Verbraucher beeinflusst, sondern auch eine nachhaltigere und tierfreundlichere Landwirtschaft benachteiligt.
Deshalb ist es wichtig, dass Sie als Verbraucher kritischer hinschauen. Anstatt sich von Bildern leiten zu lassen, sollten sie auf offizielle Siegel, Herkunftsangaben und Haltungskennzeichnungen achten. Informierte Kaufentscheidungen können dazu beitragen, echte Verbesserungen in der Tierhaltung zu unterstützen. Gleichzeitig wächst der Druck auf Hersteller, transparenter zu arbeiten und weniger plakative Werbung zu verwenden.
Als Schritt hin zu einem transparenteren Umgang mit Lebensmitteln tierischer Herkunft soll ab kommendem Jahr die Novelle des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes dienen. Hiermit soll die verpflichtende Kennzeichnung von Schweinefleisch in fünf abgestufte Haltungsformen eingeführt werden; dies nicht nur für Frischfleisch, sondern auch für verarbeitete Produkte. Ein besserer Abgleich zwischen Marketingstrategie und Realität ist dann für alle möglich. Schauen Sie also genau hin.